Wer keine Zeit hat, der kann einfach da oben auf Play klicken, dann fetzt Minne für Euch anderthalb Minuten lang durch Thailand. 

Für alle detailverliebten Leseratten: macht Euch eine Tüte Chips auf. Es geht los:

 

Ich saß am Esstisch und starrte auf den ausgetrockneten Teebeutel vor mir, in der Hoffnung, er möge vielleicht anfangen zu sprechen und mir die Entscheidung abnehmen.

„Wer Angst hat, erlebt nix!“, schallte es aus dem Wohnzimmer.

Mein Mann klappte den Laptop zu, kam rüber und sah mir fest in die Augen:
„Okay, los, wir machen das jetzt. Die Zeit kommt nie wieder. Was ist? Kommst Du mit? Sonst mach‘ ich das ohne Dich.“

Es war kurz vor Mitternacht, und vorangegangen war ein Gespräch über die Frage:

Ist es ehrlich eine gute Idee, mit zwei kleinen Kindern eine Fernreise nach Thailand zu unternehmen?

Denn zuerst gab es Zweifel: Der Flug würde lang werden. Jemand könnte krank werden. Und abgesehen davon sprach niemand von uns auch nur ein Wort Thailändisch.
Ich hörte von „unerträglicher Hitze“, von Durchfallerkrankungen, gefährlichen Moskitos und mittelmäßiger medizinischer Versorgung. Und ja: alles das sorgte bei mir für eine trockene Kehle und schwitzige Hände.

Andererseits: die Reiselust war groß. Ich wollte was von der Welt sehen. Ich wollte, dass unsere Kinder was von der Welt sehen. Und er hatte ja recht: wann, wenn nicht jetzt?
Was es brauchte, war ein Quäntchen Mut – und mein Mann brachte es als erster auf.

Denn es stimmt: wer Angst hat, erlebt nix.

Riechen nach Sonnenmilch und sehen gut aus: meine drei Boys in Thailand.

Der Gedanke an zwei Wochen Thailand, genauer gesagt: an Phuket, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, bedeutete für mich in erster Linie: eine ganze Nacht lang über den Wolken und vierzehn Tage lang fast neuntausend Kilometer weit weg von unserem Zuhause.

Nicht, dass ich an unserem Zuhause hängen würde; ich hänge nicht an Orten, nur an Menschen.

Aber in all den Tagen davor sah ich mich ständig mit der gleichen, bangen Frage konfrontiert: Was, wenn ich irgendetwas vergesse?

Ich weiß nicht, warum, aber etwas nicht dabei gehabt zu haben, wenn man in Thailand ist, erschien mir auswegloser, als etwas nicht dabei zu haben, wenn man auf Mallorca ist.

Deswegen begann mein Pack-Marathon entgegen meines Naturells auch nicht erst zwei Tage vor Abflug – sondern vierzehn.

VORWEG

Immer mal wieder habe ich die im Wohnzimmer als vorfreudiges Mahnmal platzierten Koffer der Jungs bestückt. Mal mit frisch gewaschenen T-Shirts von der Leine, mal mit Sonnencreme, die mir beim Rumräumen noch in die Hände gefallen war. Manchmal auch mitten in der Nacht, wenn mich kurz vorm Einschlafen ein kleiner Geistesblitz traf. Und er nuschelte: „Ey Tessa, fett biste geworden! Aber abgesehen davon: Du brauchst noch eine Reiseapotheke. Und was, wenn die Sonnenhüte vom letzten Jahr nicht mehr passen?“

Dieser Habitus war meiner Nachtruhe in den Tagen vor dem Abflug vielleicht nicht unbedingt zuträglich. Aber das absichtliche Ausdehnen der Reisevorbereitungen vermittelte mir das Gefühl, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, und nahm mir so ein großes Stück meiner mütterlichen Sorge. Freilich bewahrte es mich aber trotzdem nicht davor, auch dieses Mal wieder viel zu viel einzupacken.

Was ich allein für die Jungs ins Handgepäck stopfte war also folgendes:

–       Decken
–       Kopfhörer (für Minne)
–       Ohrenschützer (für Bohne, weil wegen Fluglärm)
–       iPad mit Bumper
–       diverse Bücher
–       vier Matchbox-Autos
–       Knabberzeugs
–       fünf Windeln und Feuchttücher
–       Minnes Lieblingskuscheltier (das wir später in Thailand verlieren sollten)
–       je ein Set Ersatzklamotten für eventuelle Malheurs (was, wenn der Saft vom Tablett rutscht? Was, wenn die Windel nicht hält?)
–       und eine Flasche Wasser, denn wer ein Baby mit sich führt, darf auch immer etwas zu trinken dabei haben.

Was ich davon brauchte war:

– genau nix

Denn Decken, Kissen und Kopfhörer gab es an Bord und Spiele und Trickfilme ebenfalls. Weil wir über Nacht flogen und es sowieso recht beengt zuging, hatte keines der Kinder Interesse an einer neuen Windel oder Knabberzeugs und eine Gelegenheit, um mit Autos zu spielen, tat sich auch nicht auf. (Wir flogen mit Thai Airways, deren Komfort ich seit einem Flug mit SunExpress mehr als zu schätzen weiß, hust.)

Inzwischen ist es für mich also kein allzu abwegiger Gedanke mehr, dass man – theoretisch zumindest – so, wie man ist, ins nächste Flugzeug steigen und einmal um die halbe Welt fliegen könnte. Und mehr als etwas Bequemes zum Anziehen braucht es selbst mit kleinen Kindern nicht. (Gleichwohl ich es mir trotzdem niemals nehmen ließe, zumindest eine frische Windel und ein kleines Päckchen Feuchttücher parat zu haben. Sicher ist sicher.)

Die Begrüßung am Flughafen Phuket: herzlich selbst mit Blur-Filter.

Etwas naiv von mir war, davon auszugehen, die Bedboxen der Jungs (das sind diese Dinger, mit deren Hilfe man die Sitzflächen in Flugzeugen um die entscheidenden Zentimeter verlängern kann) seien auf jeden Fall erlaubt. Und insbesondere in Hinblick auf die Dauer und die Tageszeit – halt eben über Nacht – war ich fest davon ausgegangen, sie würden auch zum Einsatz kommen.

Aber denkste! Gleich bei Boarding sprach mich eine mürrische Stewardess in wirschem Thai-Englisch an: „Sorry, Ma‘am, but we don‘t allow these bedboxes on our flights. It‘s safety permissiooon, you know!“ Sie lächelte.

Und es machte sie hässlich.

Der Flug würde die reinste Qual werden. Die Bohne würde nicht einschlafen können und dann völlig überdreht herumschreien. Und wir würden das ganze Flugzeug gegen uns aufbringen. Schuldig im Sinne der Anklage. Und allein der Gedanke daran ließ mein Herz schneller klopfen.

Aber auch hier sollte sich zeigen: meine Sorgen sind wie Salat. Ich mach‘ mir davon einfach immer zu viel.

Eine richtig gute Idee war jedenfalls, der Bohne einen eigenen Sitzplatz zu reservieren. Denn unabhängig von der Bedbox-Enttäuschung wäre ein Direktflug über die Dauer von zehn Stunden (und zwölf Stunden zurück) ausschließlich auf meinem Schoß tatsächlich eine Katastrophe geworden. Wenn Euer Baby also nicht mehr in eines dieser Bassinets passt (= länger als 70 cm ist), aber bereits selbstständig sitzen kann: walk the extra mile und bucht für alles über vier Stunden Flug einen eigenen Platz, selbst, wenn Euer Kind noch keine zwei Jahre alt ist. Euer Nervengerüst wird es Euch danken, ich sag‘ Euch das!

Die zehn Stunden nach Thailand vergingen – zumindest, was die Kinder betrifft – im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug und überraschend unproblematisch. Während die Bohne den größten Teil davon schlafend auf ihrem Sitz zubrachte (weswegen ich allen, die mit Thailand liebäugeln, auch dringend zu einem Direktlug über Nacht raten würde), stellte Minne einen neuen Rekord in Sachen Trickfilmgucken auf – und schlief danach ebenfalls ein. Der Zweck heiligt die Mittel. So ist es eben.

Ja, es war eng. Ja, es war lang. Und ich weiß nicht, wie oft mir zwischendrin die Beine einschliefen und ich auf die Uhr sah. Aber fuck yeah!, wie groß war die Freude, als mein Mann mich aus meinem Dämmerzustand erweckte:


WIR SIND DA!


Hinter der automatischen Tür des Flughafens stand eine Wand aus heißer Luft – und ein beleibter Polizist, der Minne etwa eine halbe Minute lang kritisch beäugte, bis er zu schmunzeln begann: „You a boy?“
Minne nickte. Dann drehte er sich zu seinem Kollegen um: „Haha, that’s a cool guy! Give me five, bro!“

Das war also das Erste, das wir in Thailand zu hören bekamen.
Und so langsam, ganz langsam, tropften immer mehr meiner Sorgen langsam von meiner Stirn herab.

Das Abenteuer wartet auf uns.

Ja, natürlich: Es war unglaublich warm, aber entgegen meiner Befürchtung waren die Temperaturen nicht weniger erträglich als an einem heißen Hochsommertag in Deutschland. Wenn nicht sogar noch ein bisschen erträglicher, zumal jeder Wagen und jeder Raum – und sei es nur ein Flur – immer und überall eifrig runtergekühlt wird.

Dass das Hotel keine halbe Stunde vom Flughafen Phuket entfernt lag, spielte uns natürlich in die Karten: das Renaissance Phuket Resort & Spa ist zwar nicht explizit als Familienhotel ausgewiesen, wartet aber dennoch mit einem extra Kinderpool und -betreuung auf. Es gibt Hochstühle, Babybetten und einen direkten Strandzugang. (Gesucht, gefunden und gebucht auf neckermann-reisen.de, beziehungsweise hier.)

So oder so hatte aber auch TripAdvisor (wegen Doppelcheck) keinen Scheiß erzählt: an unserer Unterkunft gab es nicht das Geringste auszusetzen und mir schwante schon nach der ersten Stunde auf thailändischem Boden: die Entscheidung, hierher zu kommen, werden wir nicht bereuen. Und so langsam konnte ich auch mein immergrübelndes Mamamhirn überreden, durchzuatmen und zu genießen.

Ein Bruchteil der Anlage des Renaissance Phuket Resort & Spa. Mein Blick bleibt allerdings immer an den beiden Jungs haften.


SO HABEN WIR GEPLANT


Ich würde meinen Mann und mich nicht ansatzweise als die klassischen Backpacker-Urlauber beschreiben. Das war früher, das war vor den Kindern.
Aber wir beide fliegen auch ungern irgendwohin, nur, um danach tagelang in ein- und demselben Gebäudekomplex zu vergammeln. Am liebsten sind uns bequem gebuchte Pauschalreisen, die sich nicht wie Pauschalreisen anfühlen. Ich meine: „Pauschalreise“, das klingt immer so eingestaubt und langweilig. Aber letztlich kommt es – wie immer im Leben – darauf an, was man daraus macht.

Mit Kindern betrachten wir unsere Bleibe in den meisten Fällen als bequemes Basislager, von dem aus wir  – wenn alle Bock haben und keiner kränkelt – immer wieder die Möglichkeit haben, sternförmig auf Entdeckungs- und Abenteuerreise zu gehen.

Und weil wir nicht wussten, wie die Kids Flug und Klimaänderung überstehen würden (nennt mich übervorsichtig), beschränkte sich unsere Planung auf eine unsortierte Liste an potentiellen Erlebnissen. Wir haben sie „Abenteuerliste“ genannt (obwohl direkt unten drunter der Drogerieeinkaufszettel geschrieben stand) und zumindest im Kopf noch viel Platz für zufällige Entdeckungen gelassen.

Und das stand alles auf unserer Abenteuerliste drauf:
– Trickeye Museum
– Upside down house
– The surf house
– Splash jungle water park
– Minigolf im Dino park
– Anthem Wake park
– International wakepark
– Gokart speedway
– Flying kidz
– Flying hanuman
– Rollerball
– James Bond Island
– Elephant Sanctuary
– Kanufahren
– Essen
– Schorcheln
– Surfen, tauchen, SUP
– Slipeinlagen, Snickers, neue Zahnbürsten, Flüssigseife

ES GEHT LOS

Wir hatten noch überlegt, uns bereits von zu Hause aus um einen vertrauenswürdigen Mietwagen zu kümmern.
Nach einiger Recherche verwarfen wir diesen Gedanken aber wieder, denn zum einen herrscht in Thailand von uns ungewohnter Linksverkehr. Zum anderen sind die Straßen dort deutlich belebter als daheim – was letztlich aber nur als Euphemismus herhalten soll, nämlich dafür, dass durchschnittlich 60 Menschen pro Tag in Thailand bei Verkehrsunfällen sterben. Und das bringt Thailand den wenig rühmlichen ersten Platz in Sachen Verkehrstote weltweit ein. Scheißaward, auf jeden Fall.
Gepaart mit dem Wissen, dass auch Kindersitze nicht unbedingt zur Grundausstattung gehören und mit unserer westlich angehauchten Sicherheitsliebe im Genick, entschieden wir uns schlussendlich dazu, nur für die Tage, an denen wir Lust hatten auszufliegen, ein Taxi samt Fahrer zu mieten.

Jaja, mit Kindern verändert sich eben alles…

Was klingt wie Luxus für die Superreichen, ist in Thailand übrigens selbst bei überschaubarem Budget machbar: ein klimatisierter Bus samt Sprit und allzeit bereitem Fahrer liegt umgerechnet bei etwa 45,00 Euro für 5 Stunden oder 60,00 Euro für acht Stunden. Und das macht den Braten dann auch nicht mehr fett.

Um uns eine grobe Orientierung von der Umgebung zu verschaffen, starten wir normalerweise mit den Mainstreamhotspots schlechthin. Die echten Must-Sees, das krasse Zeug, wisst Ihr? In diesem Falle war es Big Buddha – der mit seinen 45 Metern (!) Höhe nicht nur ein echter Tourimagnet ist, sondern wahrscheinlich auch nach Feierabend noch jeden Größenvergleich gewinnt. (Das meint: er ist wirklich, wirklich groß.)

Am Fuße des Big Buddha. Denn hätten wir davor gestanden, hätte er nicht aufs Bild gepasst.

Die Sonne brezelte an diesem Tag nur so vom Himmel und während wir Erwachsene im Angesicht unseres Schweißes Stufe um Stufe erklommen, um danach ein schwer beeindrucktes Gesicht zu machen (einfach, weil man das so macht als Erwachsener, aber auch, weil es schon wirklich ein imposanter Anblick war), hatten die Jungs in erster Linie Augen für die frischen Kokosnüsse, die es am Fuße des Buddhas und auch sonst an jeder Straßenecke zu kaufen gab. (Und es sollte sich herausstellen, dass Minnes Leidenschaft für frische Kokosnüsse in genau diesem Moment geweckt wurde.)

Zusammen schlürft es sich einfach besser.

Wenn man sich vorher ein bisschen schlau macht und feststellt, dass es auf der Insel Phuket 29 unterschiedliche buddhistische Tempel zu besichtigen gibt, fällt es schwer, sich für einen zu entscheiden. Letztlich fiel unsere Wahl aber aus diversen logistischen Gründen auf „Wat Chalong“, etwa 8 Kilometer südlich von Phuket Stadt. Und wir sollten nicht enttäuscht werden: Die prunkvoll verzierten Bauwerke, vor denen alle paar Minuten laute Böllerketten angezündet werden (laut Google, um Geister zu vertreiben), ließen Minnes Mund weit offen stehen und seine Augen strahlen. Ja, ich glaube: das war ganz nach seinem Geschmack.

Es ist bunt und trubelig dort, man fühlt sich ein bisschen wie einem Hollywoodfilm, und es herrscht – wie auch überall sonst in Thailand – eine für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich große Gastfreundschaft. Überall werden Kinder herzlich in Empfang genommen, und keines von ihnen, gleich ob Einheimisches oder Tourist, hat auch nur im geringsten eine Chance zu fremdeln. Denn egal ob Oma, Onkel oder Jugendlicher: Kinder werden von ausnahmslos allen Altersklassen, ja, ich würde fast schon sagen: vergöttert. (Und alles machen sie ungefragt Fotos und sind ein bisschen touchy, aber es ist nicht so lästig, wie es vielleicht klingt.)

Vor dem Eintreten in jeden Tempel müssen Schuhe und Socken ausgezogen werden, Schultern und Knie müssen bedeckt sein. Leider hatte ich an diesem Tag ein Kleid mit dünnen Trägern an und Bohnens Mulltuch im Taxi vergessen. Also saß ich – während Minne und mein Mann auf spirituelle Erkundungstour gingen – vor diesen prachtvollen Bauten und ließ die gesamte Szenerie auf mich wirken. Und ohne, dass ich konkret werden könnte, muss ich sagen: dieser Ort hat irgendetwas Magisches an sich.

Ja, ich bin auch mit drauf. Guck-guck!

Auf der Abenteuerliste ganz oben stand bei uns allen dick unterstrichen das Trickeye Museum, das es in Phuket gibt. Es ist groß und sauber dort, klimatisiert, lustig für Kinder als auch Erwachsene und – wie alles in Phuket – in maximal anderthalb Stunden mit dem Auto zu erreichen.

Wer aber jetzt an schwarz-weiße Spiralen denkt oder diese kleinen Wackelbildchen, die früher an den Multipacks Schokoriegeln klebten, der irrt: Unzählige, teilweise mehrere Meter breite, handgemalte 3D-Bilder prangen dort an Wänden und Böden und von allen darf und sollte man Fotos machen, während man sich im wahrsten Sinne des Wortes „in den Rahmen“ begibt.

Für Minne ein Riesenspaß und selbst die Bohne watschelte uns zwei Stunden lang vergnügt hinterher, bis sie wenige Augenblicke, nachdem der Taxifahrer die Autotür schloss, wie erschlagen auf meinem Schoß einschlief.

Wie fast überall in Thailand herrscht Barfußpflicht. Auch auf’m Klo.

Für die Jungs unabdingbar im Alltag wie im Urlaub: ein abwechslungsreiches Sportprogramm. Klingt total vorbildlich, ist für mich als bekennender Ehersportmuffel aber nur so mittelgeil.

Minne hat sich – was das betrifft – allerdings ganz und gar an seinem Vater orientiert und ist wie er immer heiß darauf, etwas Neues auszuprobieren. Er kann seine eigenen Grenzen sehr gut einschätzen, aber er ist neugierig und furchtlos, und das finde ich ehrlich bewundernswert. Mich hingegen bekommt man maximal auf ein e-Bike – und das auch nur, wenn man mir gleichzeitig einen Snickers-Riegel zur Belohnung verspricht.

Die Fatbikes (= Räder mit extra dicken Reifen, um nicht im Sand zu versinken) gab es im Hotel zum Ausleihen – und es ist mir nach wie vor ein Rätsel, wie deren Anblick die Jungs so entzücken konnte. Aber er tat es, und schon beim Ankommen sollte das ein weiterer Punkt auf der Abenteuerliste werden.

Ein junger Mann, der sich an seinem Fahrrad festhält und Sandkörner zählt.

Stundenlang Ruhe hatte ich auch, als Minne und mein Mann gemeinsam Kayak fahren gingen. Oder Stand-Up-Paddle, womit beide schon seit unserem letzten Sommerurlaub in Österreich mehr als vertraut sind. (Und alles Betteln hilft nichts: es wird trotzdem kein Stand-Up-Paddle zu Weihnachten geben. Es sei denn, ich bekomme ein Hausschwein. Dann würde ich es mir vielleicht noch mal überlegen. Eine Hand wäscht schließlich die andere.)

Ich frage mich noch immer, was ihm in diesem Moment wohl durch den Kopf ging. Dachte er vielleicht an Pommes?

Ein weiteres Highlight war und ist der Samet Nagshe Viewpoint, denn er wirkt wirklich, wirklich lange nach. Allerdings bin ich eigentlich gar nicht so der Aussichts-Typ und wir hatten diesen Aussichtspunkt ursprünglich auch gar nicht auf dem Schirm.

Bis wir am Vorabend mit einem Pärchen vom Nachbartisch über einige Umwege (in Form der Bohne) ins Gespräch kamen und dieses in den allerhöchsten Tönen davon schwärmte. So stand die Planung für den Folgetag fest. Und das ist das Schöne, wenn man nicht alles durchplant, sondern auch dem Zufall Raum gibt, gell?

Die Einheimischen raten übrigens dazu, gleich ganz früh am Morgen zu diesem Aussichtspunkt zu fahren und dort den atemberaubenden Sonnenaufgang anzusehen. Nach einer guten Stunde mit dem Taxi – vorbei an Slums, selbstgebauten Limonadenständen, Elefanten in Ketten und Lokalen mit Wellblechdächern – stiegen wir um in den Pickup-Truck, der uns auf den Berg hinauf brachte. Minne war begeistert, denn er durfte hinten auf der Ladefläche Platz nehmen und wurde ordentlich durchgeschüttelt. Ich war auch begeistert, denn ich durfte vorne im klimatisierten Fahrerhäuschen Platz nehmen. Und mein Mann war auch begeistert, weil… naja, weil er eben einfach mitbegeistert war.

Aber um der Wahrheit die Ehre zu geben: weil wir einfach zu gut geschlafen haben, sind wir erst am Vormittag dorthin aufgebrochen. Jaja, Asche aufs Köpfchen, aber wir gehören alle nicht so unbedingt zu der Fraktion der Frühaufsteher.

Jedenfalls: Es hat etwas meditatives, irgendwie, und wenn man dort oben steht und seinen Blick so über die Weiten schweifen lässt, werden alle Sorgen, die man sich so macht, irgendwie… nichtig. Das klingt vielleicht bescheuert, aber: wir Menschen wirken plötzlich so klein. Und die Welt ist einfach so groß. Und an Orten wie diesem ist sie so wunderschön.
(Ich, im kläglichen Versuch einen besonderen Moment des Innehaltens zu beschreiben.)

Definitiv eines meiner allerliebsten Bilder aus Thailand. Und eine meiner allerliebsten Erinnerungen daran.

Am Ende dieses Tages fiel mir auch endlich ein, was ich daheim vergessen hatte, nämlich: Blasenpflaster. Denn schon wenige Stunden in neuen Riemchen-Flipflops reichen, um einen komplett aus den Latschen zu hauen. Merke: niemals mit neuen Schuhen verreisen! (Neue Blasenpflaster im nächstgelegenen 7Eleven kosteten mich umgerechnet übrigens um die 70,00 Euro. Hatte die Jungs in der Süßigkeitenabteilung unterschätzt… )

Die nächsten beiden Tage verbrachten wir mit frischen Kokosnüssen am Meer und im Pool. Die Jungs wollten relaxen und meine Füße wollten es auch. Minne und ich ließen uns am Strand von alten Thai-Frauen durchkneten (eine Stunde kostet umgerechnet etwa 15,00 Euro), und als ich irgendwann dann die Augen öffnete, um zu sehen, wie es ihm geht, strahlte er übers ganze Gesicht und flüsterte mit seinen kleinen weißen Milchzähnchen in diesem rotbraunen Sommersprossengesicht: „Mama, hier ist echt-echt schön, stimmt’s?“

Ich hoffe, mit seinen sechs Jahren wird er sich noch an vieles davon erinnern können.

Die Bohne hatte zwar nicht die geringste Ahnung, was auf sie zukommen würde, schaute sich die lockere Pose aber wie immer bei ihrem Bruder ab. (Es ist immer gut, einen großen Bruder zu haben.)

Und es zeigte sich übrigens, dass die Bohne alles andere als eine Wasserratte ist: während Minne im gleichen Alter furchtlos über fremde Sonnenstühle sprang und wider aller Ansagen überall hinein hüpfte, das auch nur annähernd den Eindruck erweckte, als könne es Wasser beherbergen, ließ sich die Bohne nur äußerst vorsichtig und festgeklammert an meinen beiden Händen oder wahlweise dem Bikinioberteil – und auch nur im Sitzen! – maximal in den Pool unseres Zimmers gleiten. Die meiste Zeit aber saß sie da, ließ den Sand in ihren Fingern zerrinnen und verarbeitete die Vielzahl an Eindrücken. Merke: Bohne is‘ keine Wasserratte. Und die zwei Jungs könnten unterschiedlicher nicht sein.

Schmiegersohn. <3

Auf unserer Abenteuerliste befanden sich auch einige Parks. Wir merkten relativ schnell, dass wir es nicht schaffen würden, alle zu besuchen. Und so beschränkten wir uns auf den, in dem es zwei sehr schöne (und vor allem sehr hohe) Wasserfälle geben sollte. Dass Minne sich allerdings trauen würde, in einen von beiden sogar reinzuspringen, hätte ich nicht für möglich gehalten. (Ich selbst war nicht mal scharf darauf, meine Füße reinzuhängen.) Allerdings bescherte ihm das sogar einen kleinen Applaus der Einheimischen, die ihn für seinen Mut feierten.

Hallo Bang Pae!

Ich kann Euch gar nicht sagen, warum. Aber selbst vier Wochen nach unserer Rückkehr in Deutschland sprechen wir noch immer nahezu täglich über unseren Urlaub in Thailand. Es ist kaum in Worte zu fassen, selbst wenn man einige kennt.
Thailand ist ein bisschen wie eine Therapiesitzung, von der man gar nicht wusste, dass man sie gebrauchen könnte.

Und der Familienrat hat freilich schon längst beschlossen: das wird nicht unsere letzte Fernreise mit Kids bleiben. Man braucht keine Angst zu haben, das Gegenteil ist der Fall. Und hätte ich vor unserer Abreise gewusst, was ich jetzt weiß, hätte ich keine Sekunde gezögert. Und das meine ich wirklich ehrlich.

Von Juni bis Oktober ist in Thailand übrigens Regenzeit angesagt. Aber manchmal hat man auch im März noch das Glück, von einem fetten Schauer überrascht zu werden. Wenn das so ist, sollte man ein Seelenfoto knipsen.

Minne auf dem Markt von Phuket, als plötzlich der Platzregen einsetzte.


LONG STORY SHORT

 

Die Kinderfreundlichkeit in Thailand ist überragend, und zwar unabhängig davon, wie alt das Kind ist. Außer, es ist 40. Dann wird es vielleicht ein bisschen schwierig mit dem Hochheben. Aber: es gab niemanden, der nicht mindestens ein herzliches Lächeln auf den Lippen gehabt hätte, und sogar einige, die die Jungs mit kleinen Geschenken überraschten. Egal wie arm oder reich: Kinder sind das wertvollste Gut dort, und nach diesem Credo leben sie. Keines stört, weil es laut ist oder rennt oder weint oder brüllt. Und ich meine, Ihr wisst das: Kinder tun ständig irgend etwas davon, und wenn sie es nicht tun, dann nur, weil sie gerade den klebigen Kaugummi unter dem Sitz des Taxis gefunden haben. Überall hat man Verständnis, es gibt keine verurteilenden Blicke, sondern nichts als Empathie und Herzlichkeit.

Die Landschaft ist so schön, das sie selbst auf Fotos nicht die Wirkung entfalten kann, die sie hat, wenn man dort ist. Die Luft ist klar, die Temperaturen absolut erträglich, das Wasser sauber. Die Augen wissen gar nicht, wo sie zuerst hinsehen sollen, und trotzdem strahlt alles das eine ungekannte Ruhe aus.

Glück ist leicht.

 

Und die Küche – ach, hört mir auf! Wer einmal in Thailand war, merkt, dass wir hier in Deutschland in den meisten Fällen nur einen Bruchteil der kulinarischen Möglichkeiten geboten bekommen. Jaja, traurig, ich weiß. Aber ist so.

Wir wollten die landesspezifischen Gaumenfreuden unbedingt mit nach Hause nehmen (wir sind große Curry-Fans), und haben deswegen einen Kochkurs vor Ort besucht.

Und unsere bisherigen Versuche bringen uns immer dichter an das Ergebnis, so ist das nicht. Aber Ihr kennt das Phänomen vielleicht: Tomatensaft schmeckt auch nur im Flugzeug wirklich gut.

Wenn Ihr also irgendwann vor der Frage stehen solltet, ob Thailand mit Kids im Schlepptau eine gute Idee ist, ja? Dann kann ich nur sagen: Unbedingt. Denn den asiatischen Kontinent zu entdecken ist nirgendwo so einfach wie dort.

Und Ihr wisst ja: Wer Angst hat, erlebt nix.

 

Diese Reise wurde unterstützt von Neckermann Reisen. Diese Tatsache hat jedoch nullkommanull Einfluss auf die inhaltliche und gestalterische Ausprägung dieses Reiseberichts.
Wer sich für das Thailand-Angebot von Neckermann Reisen interessiert, streichelt sein Display hier oder gibt seinem Mauszeiger einen Schubs nach dort.