Ich weiß nicht, ob Ihr das noch erinnert, aber vor wenigen Wochen war Minne zum ersten Mal beim Schlagzeugunterricht. Der Klassiker unter den Ersttrommlern – „We will rock you“ – begleitete ihn keine zehn Minuten nach unserer Ankunft im Hintergrund zu noch etwas unkoordinierten Drumstickbewegungen und als wir uns später auf dem Nachhauseweg befanden, murmelte er plötzlich sowas wie: „Diese Rockmusik ist echt cool… Aber ich versteh’ nie, was die da singen.“

Jetzt kann man sich natürlich streiten, darüber, wie sinnvoll es ist, einem Fünfjährigen fließendes Englisch beibringen zu wollen, wenn man selbst kein Nativespeaker ist.
Minne kann das englische ABC und bis Zwanzig zählen, dann verließen sie ihn.
Aber dann verließen sie auch meine Geduld.

So gesehen kam es wie gerufen, dass mich eine Anfrage der „Powerboys“ erreichte.
Und nein, das ist keine Fortsetzung der Powerrangers aus den Neunzigern – sondern eine Band. Genauer gesagt: eine Kinderband.

Wobei, das stimmt so eigentlich auch nicht.

Es ist eher eine Rockband. Mit singenden Kindern. Und sie singen auf Deutsch.

Es sind vier an der Zahl und optisch dürfte für jeden potentiellen Fan einer dabei sein, mit dem man sich bis zu einem gewissen Grad auch identifizieren will.
Sogar ein Langhaariger spielt mit – was bei Minne natürlich für strahlende Augen sorgte, noch ehe ich auf Play gedrückt hatte. Luc! Endlich mal einer wie er.

Im Grunde genommen sind die Powerboys sowas wie das kinderfreundliche Tokio-Hotel der Neuzeit. Und wenn wir mal ehrlich sind: aus Marketingsicht waren die so schlecht ja nun nicht.

Kindermusik gibt es wie Sand am Meer, aber Rolf Zuckowski und Co. waren mir schon zuwider, als ich selbst noch klein war. Außerdem fehlte mir bei allem, woran ich bislang so vorbeigetrödelt bin, einige entscheidende Faktoren, nämlich: ein Rhythmus, der ein bisschen über das bloße Klatschen hinausgeht, die Schnellgitarren – und nicht zuletzt natürlich auch: ein ordentliches Schlagzeug.

Guckt mal, so hier klingen die Powerboys:

Und so hier Rolf Zuckowski:

 

Ihr wisst, was ich meine, gell?

Klar bleibt es Kindermusik, und wenn man trotz allem massenkompatibel sein mag, muss man dort sicherlich eine Grenze ziehen. Mir persönlich gefällt der Song besser als das Video dazu, aber Minne befindet sich momentan ohnehin in einer Phase, irgendwo zwischen Feuerwehrmann Sam und Skateboardtricks, irgendwo zwischen Joghurtklecksen und selbstständigem Bestellen im Restaurant – und so fällt er haargenau in die Zielgruppe der Powerboys, denn: er ist eben noch Kind, aber alt genug, um sich ernstgenommen fühlen zu dürfen.

Tatsächlich bin ich ziemlich froh, dass irgendwer sowas wie die Powerboys erfunden hat. Denn was für die meisten Mädchen ab einem gewissen Alter Miley Cyrus ist (oder früher Britney Spears war), das sind jetzt – nicht nur für die Jungs, auch für die Ronja Räubertochters dieser Welt – die Powerboys. (Die Frage liegt also nahe, wieso ich nie selbst auf diese Idee gekommen bin.)

Und Minne ist so angetan davon, dass ich sogar schon überlegt habe, ob ich ihn nicht mal mit zu einem Konzert nehmen sollte. Auf der Facebook-Seite der Powerboys (facebook.com/powerboysband) sind sogar drei Termine aufgelistet, nämlich in Berlin, Saarbrücken und München. Ich muss mal schauen; beim letzten „Event“ von Feuerwehrmann Sam ist Minne völlig ausgeflippt vor Freude, und gerade, als das Eingangslied laut durch die Halle schallte, hielt es kaum ein Kind mehr auf dem Stuhl und Minnes Augen funkelten und er war in dieser Stimmung, in der man nur sein kann, wenn man seine Lieblingskünstler live sieht. Ihr kennt das, gell? Unbeschreiblich. Und man kann es eben auch schon bei Fünfjährigen erkennen.

So oder so bin ich sehr gespannt, wohin das mal führt mit Minne.
Seine Lust am Schlagzeugspielen ist aktuell wieder entfacht und wer weiß: vielleicht spielt er ja eines Tages selbst mal in einer Band? Aber vielleicht kreieren wir erstmal unseren eigenen Song. An neuer Inspiration mangelt es aktuell jedenfalls nicht.

<3