Minne bettelte schon seit Wochen, er wolle unbedingt mit uns zusammen in einen Freizeitpark fahren.

Ehrlich gesagt hatte ich ein bisschen Respekt davor: klar bin ich innerhalb Bohnens ersten Lebensjahres schon viel unterwegs gewesen, auch mit beiden Kindern zusammen, aber einen Tagesausflug in einem wahrscheinlich völlig überfüllten Freizeitpark mitten im Hochsommer stand bislang noch nicht auf unserer Agenda.

Zuerst dachte ich da an gestohlene Handtaschen und Junkfood zu unmöglichen Preisen. Dann daran, wie ich wohl bis abends an abgekochtes, warmes Wasser für Bohnens Flasche kommen sollte. Dann, wie die Bohne wohl zweimal in einen tiefen Schlaf fallen könnte, wenn es drum herum doch laut und hektisch und voll ist.

Der Minnenmacher sagte: halb so wild.

Aber tatsächlich sagte ich nicht sofort Ja. Und als ich Ja sagte, da gab ich mir selbst etwa zwei Tage Zeit, um alles in Ruhe zu planen. Mache ich sonst nie, haltet mich bitte nicht für vorbildlich – aber ich hatte wirklich Bedenken in Sachen Familienfrieden.
Ich kenn’ doch meine Pappenheimer.

Die erste Station auf dem Weg zum hoffentlichnichtganzsochaotischen Trip in den Freizeitpark war das Internet: Öffnungszeiten checken und mithilfe von Google gleich in Erfahrung bringen, zu welchen Zeiten besonders wenig los ist. Weil keine Ferien waren, konnte kaum einer an einem Dienstagvormittag dort sein. Aber wir konnten, also perfekt.

Die zweite Station bestand aus einem Spaziergang zum Rewe meines Vertrauens: Dulcitatomaten zum Snacken, frisches Brot vom Bäcker, vegetarische Salami, Möhren, Kirschen, Paprika, Babybel, Schokoriegel. Für die Bohne noch ein paar Babykekse, kurz: alles, was sich gut kleinmachen, gerne kalt essen und in Tupperdosen ansehnlich transportieren lässt.

Rettete uns vor allzu viel Trashessen vom Kiosk: unsere eigene kleine Tupperparty.

Für die Bohne habe ich mir außerdem eine Thermoskanne besorgt und die noch einmal in eine extra isolierte Flaschentasche gesteckt, damit sie wirklich lange warm bleibt.
Der Spender für Milchpulver (insgesamt 3 Portionen, sicher ist sicher), die Flasche, eine Packung Feuchttücher und eine Handvoll Windeln, dazu ein Lätzchen, damit wir nicht den ganzen Tag mit zwei dreckigen Kindern rumrennen müssen – und ich fühlte mich eigentlich ganz gut vorbereitet. Das erste Mal in meinem Leben, haha.

Unterschätzter Begleiter: isolierte Trinkflasche mit Strohhalm von Pura Kiki.

Am Tag des Ausfluges habe ich Minne außerdem unsere Telefonnummer mit einem Stift auf den Arm geschrieben und als wir dort waren einen Treffpunkt mit ihm am Eingang vereinbart, sollten wir uns wider Erwarten verlieren. Glücklicherweise hat er die gute Orientierung von seinem Vater geerbt; ich selbst finde noch nicht mal zurück zum Auto, wenn man mich einmal im Kreis dreht. Ist wirklich so.

Mit dabei hatten wir außerdem eine beachtliche Menge an Flaschenwasser, und ich war ganz stolz auf mich, selbst daran gedacht zu haben. Erfahrungsgemäß vergessen wir sowas nämlich gerne und halten uns dann an Miniflaschen Fanta von dubiosen Trinkhallen fest und kriegen trockene Augen und spröde Lippen und am Ende sind wir alle schlecht gelaunt.

Für die Kinder gab es Wasser in Thermosflaschen, das sich darin nicht aufheizt und gleichbleibend angenehm zu trinken ist. Jaja, Ihr seht: ich war schon fast übermotiviert.

Nicht mehr lange, und jeder in dieser Familie kann selbstständig laufen beziehungsweise Vorräte umher schieben.

Obwohl die Wettervorhersage an diesem Tag warme Halbsonne vorausgesagt hatte, packte ich sicherheitshalber leichte Jacken und Pullover für jeden für uns ein und für die Bohne außerdem ein Paar Schühchen. Denn auch wenn sie noch nicht laufen kann: den ganzen Tag im Buggy wollte ich an ihrer Stelle auch nicht sitzen wollen.

Kann nicht fahren, aber mit Freude hupen.

Oberwichtig und glücklicherweise noch im Auto befindlich war ein Mulltuch, das wahlweise als Kuscheldecke oder Vorhang verwendet werden konnte. Eigentlich hätte ich zwei davon gebraucht, aber ja: es war halb so wild.

Fokus liegt bitte auf den Knutschelippen. Danke.

Die Bohne zum Nachmittag hin völlig k.o. – aber wir kommen auch mal zwei Stunden ohne sie aus.

Unterwegs begleitete uns außerdem ein Buggy. Unabdingbar für Tagesausflüge mit Kleinkind, wenn nicht sogar das wichtigste Utensil überhaupt.
Der von Mutsy (Modell Nexo) ist ein bisschen mehr als ein bloßer Buggy, aber doch deutlich kompakter als ein normaler Kinderwagen: im Kofferraum nimmt er nicht allzu viel Platz weg, ist aber trotzdem so robust gebaut, um oben aufgezähltes Equipment unfallfrei durch den Tag zu bringen und noch dazu meine Handtasche am Lenker zu tragen, ohne daran zugrunde zu gehen. Ihr wisst, was ich meine, gell?

Wer seinen Bruder liebt, der schiebt.

 

Sieht nicht so aus, aber ich habe Backsteine on board. Immer.

Außerdem kann man ihn nahezu komplett in Liegeposition bringen und das lange Sonnenverdeck sorgt – vor allem in Kombination mit einem Mulltuch– für die entsprechende Privatsphäre und gedämpfte Akustik beim Mittagsschlaf.
Minimanko: der Sitz lässt sich nicht umdrehen, sondern bleibt starr in Fahrtrichtung. Aber: is‘ halb so wild.

So. Und jetzt, wo wir alles beisammen hatten, konnte es endlich losgehen.

Einen Wecker brauchten wir am Morgen nicht; Minne stand um halb sieben an unserem Bett und wedelte mit seinen Socken: „Soll ich die anziehen heute?“ Er strahlte übers ganze Gesicht.

Keine zwei Stunden später – glücklicherweise hatte ich den Großteil unseres Gepäcks bereits am Abend zuvor auf der Küchenzeile platziert, damit auch ja nichts vergessen wird – saßen wir im Auto und fuhren mit Frühstück im Bauch gen Freizeitpark.

Die Google-Recherche hatte sich ausgezahlt: kaum ein Mensch dort, aber alle Fahrgeschäfte geöffnet. Das Wetter war uns zudem hold: kein Regen, etwas Sonne, aber nicht so, als dass man davon Kopfschmerzen bekäme.

Die Bohne war wie immer die Ruhe selbst, und schon kurz nach der Ankunft fielen wir alle über unseren Proviant her. Ist wahrscheinlich der gleiche Mythos wie im Schwimmbad: kaum biste da, haste Pommesbock.

Die Stimmung blieb damit konstant gut, und am späten Nachmittag kehrten wir besten Gewissens in sowas ähnliches wie ein Restaurant ein und schnabulierten uns durch „Frische Pasta“ (womit allerdings nicht der Teig, sondern nur die Tatsache gemeint war, dass sie frisch gekocht wurde, aber ich war mental auf sowas vorbereitet), beziehungsweise Bratwurst, Eis und co.

Kanufahren. Achtmal in Reihe. Wenn’s reicht.

Einmal musste ich die Bohne dringend aus der Windel pellen, und weil man beim zweiten Kind eher pragmatisch ist und ich öffentlichen Wickelkommoden nicht sehr viel abgewinnen kann, geschah das ebenfalls fix im Buggy.

Die Wasserflaschen fanden gerade am Nachmittag eine dankbare Abnehmerschaft und bis auf einen Babybel habe ich eigentlich nichts wieder mit nach Hause genommen.

 

Alles in allem lässt sich resümieren:
Bohne war super gelaunt, weil satt und ausgeschlafen.
Minne war super gelaunt, weil satt und sitt und viel erlebt.
Der Minnenmacher war super gelaunt, weil ebenfalls satt und entspannt ob der Tatsache, dass der Park eben nicht gerammelt voll war.

Und ich war super gelaunt, weil sich die Vorbereitungen wirklich gelohnt hatten und die Nachbereitung weit weniger aufwendig als gedacht. (Tupperboxen in die Spülmaschine, Wasserflaschen in den Pfandbeutel, eine Waschmaschine mit Tagesklamotten an, zu Ende.)

 

Fühle mich jetzt wie ein Tagesausflugprofi.
Berate auch andere TagesausflüglerInnen.

Glaube, ich wäre bereit für ein Tagesausflugsdiplom.

Aber ernsthaft: ich kann Euch nicht erzählen, dass man es alles nur „locker sehen“ müsste. Oder dass man „entspannt bleiben“ muss. Die Wahrheit ist: wenn man sich ein bisschen besser vorbereitet als sonst, nur dann ist so ein Tagesausflug wirklich…

Halb so wild.

Minnes und Bohnes Jacken sind von Tumble’N’Dry, die Trinkflaschen von Pura Kiki, der Buggy von Mutsy (Modell Nexo), das Mulltuch von Kip&Co, die Lauflernschuhe habe ich bei tausendkind.de gefunden