Die PKV – das ist der Verband der Privaten Krankenversicherungen – ist kürzlich auf mich zugekommen und wollte sinngemäß wissen:

Gibt es irgendwen aus dem Gesundheitswesen, dem Du von Herzen Danke sagen magst?

Und ich meine, wenn ich so darüber nachdenke, dann gibt es sicher einen ganzen Haufen Menschen respektive Gesundheitsberufe, denen ich danken muss:

Zuallererst kommt mir da Minnes Kinderarzt in den Sinn, der im vorletzten Winter – Ihr erinnert Euch vielleicht noch – eine akute Lungenentzündung bei ihm erkannte und entsprechend behandeln konnte. Oft habe ich mir danach die Frage gestellt, was passiert wäre, hätte er das nicht oder nicht richtig oder nicht rechtzeitig getan. Bis auf anhaltendes Fieber hatte Minne nämlich genau null Symptome gehabt und nach sieben Tagen und einer aufgebrauchten Flasche Fiebersaft war ich mehr als ratlos gewesen. Erst, als der Kinderarzt Minne untersuchte und uns „nur um’s Auszuschließen“ noch mal in die Radiologie schickte, wurde das Geheimnis gelüftet. (Zugegebenermaßen ein ziemlich beschissenes Geheimnis, so zwei Tage vor Heiligabend, aber ich war froh als das Kind einen Namen hatte.)

Und dann dachte ich: ist das nicht verrückt? Vor 20 oder 30 Jahren wäre man sicherlich daran gestorben. Aber heute schluckt man ein paar Tabletten, hält Ruhe, schaut einige Cartoons – und schon ist der Spuk wieder vorbei.

Obwohl mir Minnes Kinderarzt eigentlich nie sonderbar sympathisch gewesen ist, hat er seitdem wirklich einen Stein im Brett bei mir.

Und dann gibt es da noch jemanden, bei dem ich mich von Herzen bedanken mag:
Neben dem Oberarzt, der mich mithilfe zweier Kaiserschnitte sowohl von Minne, als auch von der Bohne entband und der Schar an Krankenschwestern und Hebammen, die währenddessen um ihn herum tänzelten und mein Baby erstversorgten, stand da nämlich auch noch ein schnuckeliger Anästhesist herum.

Ehrlich gesagt habe ich gar nicht mehr so recht ein Bild vor Augen, weiß nicht mehr genau, wie er aussah und kann ihn deswegen auch nicht wirklich detailliert beschreiben. Ich weiß aber noch, dass sein Haar braun und er ein schlanker Mann Mitte, Ende 30 gewesen war. Und dass er Frank hieß.

Frank hatte ein freundliches Gesicht, das ich aber nur von unten sah. Deswegen hatte er aus meiner Perspektive auch immer ein Doppelkinn – und schöne, definierte, sehnige Arme und Hände, die mir hin und wieder im Gesicht rumtätschelten. Ein quirliger, redseliger Typ, der trotz dieser Eigenschaften in sich ruhte wie ein Stein und eben diese Ruhe auch an mich weitergab.

Und während im ganzen Operationssaal wildes Gewusel vonstatten ging und alle irgendwie Hektik verbreiteten, wich er mir die ganze Zeit nicht von der Seite, sondern witzelte rum, lachte mit mir und verwickelte mich in ein Gespräch nach dem anderen.

Ich meine, ich wusste dank Youtube genau, was da gerade hinter dem grünen Tuch passierte. Aber es hätte mich so oder so nicht beunruhigt; ich vertraue Ärzten blind.

Und so erzählte Frank erst von seinem Urlaub in Thailand und von dem guten Essen dort. Wir redeten über’s Schwimmbad (der Sauerstoff, der in meine Nase kam roch so nach Chlor, deswegen kamen wir darauf) und dann über seinen Hund. Zwischendrin fragte er mich kurz, ob ich spucken müsse. Ich sagte Nein und tat’s dann trotzdem. Also lachten wir wieder.

Und es war so nett und so witzig, dass ich für einen kurzen Moment tatsächlich vergaß, weswegen ich eigentlich hier lag.

„Kamma bei Euch eigentlich auch noch ´ne Cola Light dazu ordern, sag mal?“

Nur Minuten später durchbrach ein ganz kleines, leises Quaken diesen Trubel. Und alle waren plötzlich still. Auch Frank.

Ja, für einen klitzekleinen Augenblick, für den Bruchteil einer Sekunde schien die gesamte Welt angehalten worden zu sein. Beide Male waren einfach einmalig.

Ich schaute zu diesem wunderhübschen Baby, ich schaute zu meinem wunderhübschen Mann.

Und ich schaute zu Frank hoch, der ebenfalls sehr gerührt wirkte und strahlte, als habe er selbst einen Pokal gewonnen. (Und das Doppelkinn beziehungsweise mein Blickwinkel verstärkte diesen Eindruck noch, aber vielleicht war ich auch einfach nur ein bisschen high.)

 

Jedenfalls: es tut gut zu wissen, dass es Leute wie ihn gibt.

Leute, die morgens aufstehen und Bock auf den Tag haben, weil sie genau den richtigen Beruf ausüben. Die mit so vielen verschiedenen Menschen, Charakteren und intellektuellen Horizonten in Berührung kommen – und neben aller fachlicher Kompetenz trotzdem mit so viel Liebe und Passion und Empathie dabei sind. Absolut. Jedes. Mal.

Frank zählt zweifelsohne zu den Menschen, denen man abnimmt, dass sie ihre Berufung zum Beruf gemacht haben und so – neben Oberarzt und Krankenschwestern – wesentlich dazu beigetragen hat, meine beiden Geburten zu schönen, schmerzfreien und würdevollen Erinnerungen für mich zu machen.

Wenn Ihr Euch auch bei einer Person aus dem Gesundheitswesen bedanken wollt – ganz selbstlos, ohne Gewinnspiel oder sonstiges Gedöns – dann könnt Ihr das in Kurzform unter www.dankesagen.de/?s=minneandme tun. Dort findet Ihr auch meine Danksagung noch mal. Und wer weiß, vielleicht liest’s Euer Frank ja auch und freut sich darüber?

Ein bisschen mehr Wertschätzung und ein bisschen weniger Gemecker stünde uns ohnehin allen gut zu Gesicht, gerade im Gesundheitswesen, wo gefühlt ja immer mehr kritisiert als gelobt wird. <3

 

In diesem Sinne:

Danke Frank, danke Crew. Stimmt so!